10.09.2010 bis 12.12.2010

Sonderausstellung 2010: "MANI - Griechenland ohne Tempel"

Fotoarbeiten von Clemens Zahn


"MANI - Griechenland ohne Tempel" - Tief im Süden der Peloponnes, in der Mani, ist Griechenland anders als im Bilderbuch. Keine weiß gekalkten Kuben, keine kobaltblauen Läden, keine Lorbeerhaine. Die entlegene Landzunge, in die von Norden her immer neue Wellen von Bedrängten, Verfolgten, Ausgestoßenen rollten, war nie ein arkadisches Idyll. Karg und unwirtlich ist die Gegend, das Leben der Menschen über Jahrhunderte armselig und voller Mühsal. Im Winter tosen verheerende Stürme und die Wolkenbrüche spülen noch die letzten fruchtbaren Krumen ins Meer, sommers liegt das Land knochentrocken und die sengende Sonne lähmt Mensch und Tier. Nur das Meer barg früher reiche Schätze, und die Manioten haben sie an Land geholt: Fische, auch Fische, vor allem aber die Ladungen der Handelsschiffe, die in den heimtückischen Gewässern um Kap Tenaro den Küsten zu nahe kamen. Piraterie war über lange Zeit der Haupterwerb der Manioten, die von den Seefahrern gefürchtet wurden wie die Pest.

Niemals haben sie sich einem fremden Joch gebeugt, auch die Türken sind ihrer nicht Herr geworden. Verbissen stritten die Sippen der Mani um Einfluß und Macht. Die titanischen Türme, die zu Hunderten dem grauen Karst entwachsen, zeugen von endlosen erbitterten Blutfehden. Heute ist das Land entvölkert, die terrassierten Hänge verwildern, auf den kreisrunden, gepflasterten Tennen, wo einst die Spreu vom Weizen getrennt wurde, steht schütteres Gras. Und durch die Dörfer geistern die letzten buckligen Greise wie Gespenster. Als der Fotograf Clemens Zahn im Jahr 1990 zum ersten Mal in die Mani kam, lag die Halbinsel noch weltenfern und weitgehend unberührt. Seither gehen, wie überall, die Verheerungen der Gegenwart übers Land. Es wuchert Neugriechisches in Beton und fremdsteuergeldfinanzierte Straßenungetüme fressen sich durch die Hänge nach nirgendwo. Die Schwarzweißfotografien von Clemens Zahn, überwiegend in den neunziger Jahren entstanden, erzählen von einer Welt am Rande Europas, die im Vergehen ist.